Blow—up—Nature • Videoinstallation • 2000
Wenn sich menschliche Reinheitsideale in der Natur verwirklichen ließen,
hätte man eine sterile und geordnete Landschaft, die an Küchen und
Bäder in Reinigungsmittelwerbungen erinnern würden, kein Staubkörnchen
trübt den Glanz des frisch polierten sanft geschwungenen Graslandes das nur mit ein
paar sterilen Bäumen durchsetzt ist. Die Artenvielfalt ist angenehm überschaubar,
nichts was den Entdeckergeist wecken könnte: entspannte Leere, glänzende
Langeweile.
Was fasziniert uns an selbsterstellter Natur? Zeigt es die Herrschaft des Menschen
über die Natur, wie in der englischen Gartenbaukunst, warum lieben Kinder
die Welt der Disneys und Teletubbies? Inwiefern ist man heute noch der Natur verbunden
in einer Hochtechnisierten Welt? Angenommen die Menschheit entfernt sich ganz von der
Natur, durch Katastrophen, Allergien oder Auswanderung in der Weltraum, wie würde
sie den Mythos der Natur aufrechterhalten. „Blow—up—Nature“
spielt mit der Möglichkeit, sich an vollkommen künstlich hergestellter
Natur zu erfreuen und eine Art „Naturerlebnis" zu erfahren, um den Betrachter
mit seiner Entfernung zur eigentlichen Natur zu konfrontieren.
Das Medium der Computeranimation ist hierfür besonders geeignet, weil es den
Benutzer dazu zwingt, Dinge aus dem Nichts zu erschaffen; er ist nur auf seinen
eigenen Symbolkatalogl angewiesen, und so entstehen sehr abstrakte Zusammenhänge,
die von der Physik unabhängig sind. Eine Projektion dieser Szenen entspricht moderner Höhlenmalerei.
„Blow-Up.nature“ ist eine sich erweiternde Arbeit, bei denen es sich um
verschiedene Szenen aus Computeranimation handelt. Es werden Landschaften gezeigt,
die durch ihre Sauberkeit und Strukturlosigkeit an aufblasbare Möbel erinnern.
Der Name Blow—up entspringt einer Form von modischen Aufblasmöbeln,
beinhaltet ebenfalls die Bedeutung von „to blow up“, explodieren,
und schließt damit an frühere Arbeiten (Cit.Go) an.
Die Animationen sind als Schleifen angelegt, zeitlich endlos und doch in ihrer
Wiederholung sich wieder zu einem einzelnen Bild zusammenfügend. Sie
sind mit Teilen anderer Arbeiten kombinierbar, um damit eine Sprache zu
entwickeln, die aus verschiedenen Sequenzen andere Schlüsse herausbilden.
Die Arbeit soll nicht aufdringlich und belehrend sein, sie ist nur eine Fiktion.